[Ein großes Dankeschön an den Veranstalter „Campus Festival Konstanz gGmbH“ und Xhavit, dass ich als Presse akkreditiert wurde.]

Ich sage es gleich mal vorneweg: ich bin nicht so der Festival-Mensch. Meist ist es mir zu laut und es sind zu viele Menschen auf zu engem Raum. ABER: dieses Jahr war ich das erste Mal auf dem Campusfestival. Weil ich die Südwestdeutsche Philharmonie hören wollte – klingt widersprüchlich? Mag sein, war aber cool.

Klar, man könnte die Südwestdeutsche Philharmonie hier in Konstanz und Umgebung regelmäßig hören und ja, sie spielen nicht nur klassische Stücke, sondern immer wieder auch „Cross-over“-Konzerte. Aber ehrlich gesagt, ich konnte mir nicht ganz vorstellen wie das Orchester auf einem Festival wirkt und war neugierig. Als inhaltlicher Programmpunkt war angesagt: Philharmonie spielt Songs von Taylor Swift. Ich bin kein Hardcore-Swiftie, aber ich mag ihre Musik schon ganz gerne. Ich finde sie als Künstlerin spannend, mag ihre Musik und wollte wissen, wie die Philharmonie das umsetzt.

Südwestdeutsche Philharmonie auf dem Campus-Festival 2024. Cellisten auf der Bühne, jubeln und einer zeigt sein Cello

Foto: © Oliver Hanser

Geschichte des Campusfestivals

Aber zuerst einmal zum Festival selbst. Zum ersten Mal fand das Campusfestival 2015 statt – damals noch auf dem Gelände der Uni Konstanz. Somit ist auch klar woher das Campusfestival seinen Namen hat. Im nächsten Jahr findet also schon zum 10. Mal dieses Festival statt, ich bin schon sehr gespannt auf dieses Jubiläum. Bilder der letzten Ausgaben findest du hier: History Geschichte des Campusfestivals

Südwestdeutsche Philharmonie auf dem Campus-Festival. Orchester und Chefdirigent Gabriel Venzago auf der Bühne

Foto: © Oliver Hanser

Südwestdeutsche Philharmonie spielt Songs von Taylor Swift

Da die beiden Hauptbühnen im Bodenseestadion abwechselnd bespielt wurden, war immer auf der Bühne, die grade nicht bespielt wurde, Umbau angesagt. Und so wurde am Samstagnachmittag zusätzlich zu Instrumenten auch Stühle auf der Bühne positioniert – kurz darauf nahmen nach und nach die Musikerinnen und Musiker der Südwestdeutschen Philharmonie ihre Plätze ein. Wie bei klassischen Konzerten üblich wurden nochmal die Notenständer richtig ausgerichtet, die Instrumente gestimmt. Doch man merkte am Verhalten der Musikerinnen und Musiker, dass es doch ein besonderer Termin war. Einige filmten das Publikum, andere wirkten etwas nervös. Verständlich, wenn man beobachtete, was vor der Bühne so passierte. Eine anfangs noch kleine Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener machte ordentlich Stimmung und feierte die klassischen Musiker:innen wie Popstars. Sie skandierten laut die einzelnen Instrumente wie sonst nur die Namen bekannter Künstler:innen.

Zu Beginn noch etwas irritiert, sprangen die Musiker:innen schnell auf den Spaß auf und präsentierten sich und ihre Instrumente auf der Bühne. Was wiederum zu frenetischem Applaus auf Seiten des Publikums führte. Angelockt durch die feiernden Zuschauer:innen wurden weitere Leute aufmerksam und so versammelte sich schnell eine große Menge an Zuhörer:innen vor der Bühne und die Menge wurde im Laufe des ca. 45-minütigen Konzerts immer größer – auch abseits des abgesteckten Bereichs direkt vor der Bühne fanden sich Neugierige und Swifties ein, um gemeinsam zu feiern.

Über die großflächigen Bildschirme rechts und links der Bühne liefen die Liedtexte, sodass auch Nicht-Swifties textsicher mitgrölen konnten.

Ich hatte den Eindruck, dass die Musiker:innen anfangs noch etwas überrascht waren über die Reaktion des Publikums, aber spätestens beim zweiten Lied fanden sie gemeinsam mit den Singenden zu einer Einheit zusammen. Gabriel Venzago, der Chefdirigent des Orchesters bewies seine Qualitäten als Anheizer und „Rampensau“ und stachelte sowohl sein Team als auch das Publikum weiter an. Und ich hatte das Gefühl, dass beide Seiten ein wenig traurig waren, dass die 45 Minuten Konzert schon so schnell vorbei waren.

Südwestdeutsche Philharmonie auf dem Campus-Festival 2024. Orchester und Chefdirigent Gabriel Venzago auf der Bühne

Foto: © Oliver Hanser

Der Philharmonie ist es mit diesem Auftritt nicht nur gelungen ein tolles OpenAir-Konzert zu spielen, eine großartige Leistung abzuliefern und mit Crossover-Musik die Teilnehmenden des Campusfestivals zu begeistern, ich bin mir sicher, dass sie es auch geschafft haben das meist als angestaubt angesehne Image der klassischen Musik ein kleines bisschen cooler zu machen. So erschließt man sich mit Einsatz, Leidenschaft und Spaß neue Zielgruppen! Neben all den „normalen“ Konzerten (und die völlig ihre Berechtigung haben!), bei denen meist ältere Menschen brav auf Stühlen sitzend zuhören, sind solche Veranstaltungen eine Möglichkeit die meist als elitär angesehene sogenannte „Hochkultur“ auf neue, moderne und begeisternde Weise zu präsentieren. Ich freue mich schon sehr darauf die Philharmonie wieder außerhalb von Konzertsälen zu erleben und bin neugierig was sich das Team um Gabriel Venzago einfallen lässt.

Vielen Dank an alle Beteiligte für dieses mitreißende Konzert!

 

Übrigens: Das nächste Campus-Festival findet am 30+31. Mai 2025 statt.