Transparenzhinweis: Ich habe ein Theaterabo fürs Theater Konstanz, das ich selbst bezahle. Im Rahmen dieses Abos habe ich mir das Stück „My heart ist full of na-na-na“ angesehen. Dieser Beitrag gibt meine eigene Meinung zum Stück wieder, ich werde für den Artikel nicht bezahlt. Da ich jedoch für meinen Instagrambeitrag zum Stück vom Theater einen kleinen Betrag erhalte, kennzeichne ich auch diesen Beitrag mit „Werbung“.

 

Eine dunkle, leere Bühne. Als Sinnbild für die leeren, zerbrochenen Personen, die in dieser Art dargestellten Wohnung leben: Florin und sein Vater Alain. Alexandru, Florins älterer Bruder ist schon längst geflohen. Florin gibt sich die größte Mühe seinen Vater ins Leben zurückzubringen, dabei leidet er selbst genauso unter der Situation. Seine Mutter verstarb bei einem Autounfall. Der 13-jährige zieht sich in seine Musik zurück, wenn es ihm zu viel wird. Sein großes Idol ist Tearkjerker, einer der wohl erfolglosesten Teilnehmer des Eurovision Song Contest (Tearjerker trat für die Schweiz an und kam im Halbfinale auf den letzten Platz). Dieser Kindheitsheld landet eines Tages ziemlich überraschend in Florins Leben und bringt es ordentlich durcheinander. Tearjerker („Schnulze“, „Tränenreiche“) hat selbst mit ordentlich Gepäck zu kämpfen, so liegt sein nächstes Album wegen Songmangels flach und er hat außerdem seine Gabe (andere mit seiner Musik zum Weinen zu bringen) verloren. Also sind irgendwie alle Figuren auf der Suche, nach sich selbst, nach dem Sinn des Lebens, nach Liebe und Zuneigung, nach familiärem Zusammenhalt.

Tearjerker, der vom Style her eine Mischung aus Tinkerbell und gefallenem Engel darstellt, dringt immer tiefer in die verworrenen Familienverhältnisse ein und kann dabei helfen die Knoten zu lösen und schließlich können die drei Familienmitglieder ein neues Band knüpfen. Und nebenbei verhelfen sie Tearjerker zu einem neuen ESC-Lied. Am Ende hat Tearjerker seine Gabe andere zu Tränen zu rühren wiedergefunden – nicht nur bei den drei Figuren, sondern auch beim Publikum wirkt sie.

Foto: Ilja Mess

 

Das Stück von Lucien Haug schafft es auf ganz wunderbare Weise mit ernsten Themen umzugehen und sie dem Publikum nahezubringen. Es macht nachdenklich wie man selbst mit Trauer und vermeintlich negativen Gefühlen umgeht oder in Zukunft umgehen möchte. Mit Leichtigkeit und viel Humor gelingt es dem Autor die Figuren lebendig werden zu lassen und ihnen Tiefe zu geben, man leidet mit ihnen mit und freut sich mit ihnen. Trotz des ernsten Themas gibt es immer wieder Lacher und man geht mit einem guten Gefühl aus dem Theater.

Neben der großartigen Schauspielleistung haben mir besonders das Bühnenbild und der Style von Tearkjerker gefallen – man kann so viel in beides hineininterpretieren.

Die Stückbeschreibung auf der Theater-Website kommt für mich nicht ganz ans Stück heran. Ja, es geht um Männer und Gefühle und wie Mann damit umgeht, allerdings standen für mich die Familienstruktur und das Zusammenfinden bzw. Zurückfinden ins Leben für mich im Mittelpunkt. Ich war also positiv überrascht als ich das Stück gesehen hatte.

Foto: Ilja Mess

Und noch ein Tipp:

Am Samstag, 06. April findet um 15:00 Uhr im Foyer des Stadttheaters Konstanz das Event „Gemeinsam gestrickt hält besser“ statt. Der Eintritt ist frei. Passend zu den sinnbildlichen Verstrickungen und Verknotungen, die auf der Bühne nach und nach gelöst werden, veranstaltet das Theater Konstanz einen Strick- und Häkelkreis. Alle Interessierten können dort die Möglichkeit nutzen gemeinsam zu stricken, zu häkeln, Strickmuster und Häkelanleitungen zu bequatschen, zusammenzuhocken, zu quatschen, eine gute Zeit zu haben und vielleicht auch neue Freundschaften knüpfen. Kommt vorbei!

Foto: Ilja Mess

Infos

Mit: Jonas Pätzold, Leonard Meschter, Ingo Biermann, Ioachim-Wilhelm Zarculea

Text: Lucien Haug

Regie: Kristo Šagor

Bühne & Kostüm: Christl Wein-Engel

Zielgruppe: 12+

 

„Gemeinsam gestrickt hält besser“

am Samstag, 06. April um 15 Uhr im Foyer des Stadttheaters Konstanz, Eintritt frei

 

Foto: Ilja Mess