Die hohen Flügeltüren öffnen sich, das Licht durchflutet sanft die Museumsräume und beleuchtet die farbenprächtigen Bilder an den weißen Wänden. Wohl platzierte Kunstwerke laden zum Flanieren durch die weiten Räume ein. 

Klingt wie ein Erlebnis aus einer anderen Zeit? Einer Zeit, als wir noch durch Museen gehen konnten, auf der Suche nach Kunstentdeckungen. Einer Zeit, in der wir die Sehnsucht nach Farben und Formen stillen konnten. Als wir in Dialog mit Menschen und Kunst treten konnten. Als wir Kultur erleben konnten.

Am Donnerstagabend hatte ich dieses Gefühl wieder und es war großartig. Denn ich war im Museum Wiesbaden und konnte einen Einblick in die farbenfrohe Ausstellung zu August Macke bekommen. Zumindest digital. 

Natürlich ist das ein anderes Kunsterlebnis, als wenn man direkt vor den Gemälden stehen würde, aber es ist kein schlechteres Kunsterlebnis. 

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Screenshot von der Führung durch die Ausstellung

Gemeinsam mit anderen Kunst- und KulturbloggerInnen und InstagrammerInnen war ich Teil eines Presse-Events des Museums Wiesbaden. Mein erstes Blogger-Event, zu dem ich eingeladen worden war, und ich fand es toll, Menschen zu treffen, denen ich teilweise schon länger auf ihren Blogs und SoMe-Kanälen folge. Und neue Leute kennenzulernen. Für mich als Intro war das eine schöne Sache, in der „sicheren“ Umgebung zuhause zu sitzen, so war ich nicht völlig erschlagen von den vielen neuen Eindrücken. Wobei ich mich sehr drauf freue auch wieder analog Kulturmenschen erleben zu dürfen. Auch praktisch war für mich – da Konstanz ja ein bisschen arg abseits liegt für spontane Ausflüge –, dass ich an diesem Event teilnehmen konnte ohne einen Tag An- und einen Tag Abreise einplanen zu müssen. Obwohl ich mich auch hier schon wieder freue, wenn man endlich reisen kann. Ihr seht, alles hat zwei Seiten – ich finde beides toll und erlebenswert, das Analoge und das Digitale.

Ein großes Dankeschön an das Team des Museums Wiesbaden und Anke von Heyl (der ihr als „Kulturtussi“ unbedingt folgen solltet, wenn ihr es noch nicht tut) für die Organisation des Abends. 

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Sneak peak in die Kiste zum Event

 

Auf der Suche nach dem Paradies bei August Macke

In einer Live-Führung mit Kurator Dr. Roman Zieglgänsberger bekamen wir Einblicke in die acht Ausstellungsräume. Bei der Führung waren über 500 Personen dabei. Bereits vor 100 Jahren hatte es in den Räumen des Museums eine August-Macke-Ausstellung gegeben. 16 Bilder, die damals gezeigt wurden sind in der aktuellen Ausstellung auch zu sehen. Insgesamt hängen ca. 100 Werke in „August Macke – Paradies! Paradies?“, ungefähr 80 davon sind von Macke selbst, die restlichen Gemälde wurden von den Rheinischen Expressionisten geschaffen. Sie zeigen auch die unglaublichen Netzwerkfähigkeiten von Macke. Sein Kulturmanagement forderte ihn teilweise so sehr, dass er kaum mehr zum Malen kam. 

Ich hatte zwar die Expressionisten im Kunst-LK als Sternchenthema und natürlich auch immer wieder im Studium, aber mir war entfallen, dass Macke in allen Techniken gearbeitet hatte. In meinem Kopf war er immer nur mit bunten Bildern vertreten, das finde ich sehr spannend an der Ausstellung, dass das gesamte Spektrum zu sehen ist. 

Das Paradies als zentrales Motiv zieht sich durch das gesamte Schaffen von Macke – und zu diesem Paradies gehört auch der Mensch. Besonders berührend sind die Porträts, die August Macke von seiner Frau Elisabeth gemalt hat, und die eigentlich wohl nicht für die Kunstwelt gedacht waren. 

Die Ausstellungsräume sind thematisch eingerichtet, sodass man die Themenvielfalt Mackes erfassen kann – von Landschaft bis Akt, von Paradiesen und Familienbildern ist alles zu sehen. 

Ich hoffe sehr für das Museum, dass diese Ausstellung nochmal die Türen für BesucherInnen öffnen kann. Und für Kunstinteressierte hoffe ich, dass sie direkt vor den Werken stehen können – und wenn das nicht möglich sein sollte, dass sie an einer solchen Live-Führung teilnehmen können. 

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Na, wenn man so lieb gebeten wird… dann doch gerne…

 

Paradies! Paradies? – Zoom-Gespräch mit dem Kurator

Im Anschluss an die öffentliche Führung fand via Zoom ein Gespräch der KulturbloggerInnen mit dem Kurator statt, das von Anke von Heyl moderiert wurde. In diesem Austausch wurde deutlich wie sehr alle nach Kultur und Museumsbesuchen lechzen. Und auch, dass Macke zum Nachdenken und Träumen anregt, jede/r findet den eigenen Zugang zu diesen Werken. 

Es war sehr toll mal wieder in einen Austausch mit anderen Kulturleuten zu kommen und Einblicke in die Museumsarbeit im Rahmen der Ausstellungsvorbereitung zu bekommen. 

Und wo ist dein Paradies? – Museumspädagogische Aktion 

Der dritte Teil des Events beschäftigte sich mit dem geheimnisvollen Karton, der einige Tage vor der Veranstaltung ankam. Angefüllt mit Kreativmaterial und Infos zur Ausstellung – ein Paradies für Kreativköpfe. 

Als Museumspädagogin war ich natürlich total gespannt, was genau Daniel Altzweig aus der Abteilung „Bildung und Vermittlung“ damit vor hatte. Und so ging es auf die Suche nach dem eigenen Paradies. Wo liegt es? Wie sieht es aus? Wie fühlt es sich an? Wie riecht es? Wie schmeckt es?

 

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Los geht´s mit der Suche nach dem Paradies

Und wie setzt man dieses Paradies nun mit den Materialien um? Für mich war es faszinierend wie andere ihre Paradiese gestalteten und wie unterschiedlich die Ergebnisse waren. Es war ein schönes Erlebnis gemeinsam mit den anderen auf Entdeckungstour zu gehen. 

Für meine eigene Arbeit war es der Beweis, dass Vermittlung auch digital funktioniert. Mal sehen wie ich das umsetze in meinen eigenen Angeboten. 

Nach der Veranstaltung war ich ein bisschen euphorisch und sehr glücklich, weil ich endlich wieder das Gefühl hatte Kultur erlebt zu haben, gemeinsam mit anderen Kultur-Kreativköpfen. Ich hatte verdrängt, wie sehr ich es vermisse. Und beim Schreiben sind mir tatsächlich die Tränen gekommen. Kann man jetzt ein bisschen bekloppt finden, aber so war es. Das letzte Mal Kultur hatte ich am 31.10.2020, in der letzten Vorstellung des Theaters Konstanz vor dem Shutdown. „Der ideale Mann“ wurde gespielt und die Stimmung im Theatersaal werde ich nicht vergessen. Umso schöner war es, mit dieser Veranstaltung wieder Kultur ins Leben geholt zu haben. 

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Nein, Pumuckl gehört nicht zu meinem Paradies. Das ist ein norwegischer Troll, der stellvertretend für dieses Seelenland steht

Ein dickes-fettes-herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, das Event hat die Lust geweckt mich mal wieder tiefer mit dem Expressionismus zu beschäftigen.