Grabdenkmäler, Friedhöfe und die damit verbundenen Themenbereich Tod & Memorial gehören zu einem meiner Interessensschwerpunkten. Ein Thema, das immer wieder für Kopfschütteln und Nachfragen sorgt. Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Thema, mit dem man sich nicht gern befassen möchte, was ich völlig verstehe. Mir selbst geht es da oft nicht anders. Sobald ich die Person persönlich kenne oder umso näher diese an meiner Lebensrealität ist, umso schwerer kann ich damit umgehen. Im Bereich der Kunstgeschichte ist es aber ein wirklich spannendes Feld, dem ich gerne mit der Kategorie „Tod & Memoria“ auf dem Blog Raum geben möchte. 

Pompeji, Mosaik, 1. Jahrhundert

Wenn man sich die verschiedenen Grabdenkmäler ansieht, erkennt man, dass es um das Leben geht. Um die Ehrung des Lebens und des Verstorbenen. Grabdenkmäler erzählen uns erstaunlich viel über die Entstehungszeit, die Gesellschaft, die Vorstellungen zu Glauben, Liebe, Freundschaft und mehr. Außerdem berichten uns diese Objekte einiges über die Künstler, Handwerkstechniken, Materialien und ihre Bedeutung, und über das Verständnis von Kunst zur jeweiligen Zeit.

In der Kategorie „Tod & Memoria“ stelle ich euch sowohl die Hintergründe zu einzelnen Kunstobjekten vor, aber auch Auftraggeber, Künstler und Orte. Zusätzlich präsentiere ich euch die Motive, die immer wieder verwendet wurden. 

Grabdenkmal (Detail) 18. Jahrhundert Konstanzer Münster

Streift man mit kunsthistorisch interessiertem Auge über Friedhöfe oder durch Kirchen auf der Suche nach Grabdenkmälern, sieht man es überall: das Skelett. 

Das Wort „Skelett“ stammt vom griechischen „skeletós“ und bezeichnet erstmal das Knochengerüst, das Lebenwesen, also in unserem Fall der Mensch, stützt. Im Zusammenhang von Tod & Memoria zeigt sich das Skelett als handelnde Person an Grabdenkmälern. Es kann Vorhänge zur Seite ziehen, um die „Bühne“ des Grabdenkmals zu öffenen, sodass BetrachterIn Informationen über den Verstorbenen erhält. Oder es hält das Medaillon mit dem Bild des Verstorbenen oder der Verstorbenen. Skelette können auch Wappenschilder entfernen oder die „Arbeitskleidung“ des Verstorbenen tragen. 

Grabdenkmal für Weihbischof Sigismund Miller (Detail) 17. Jahrhundert Konstanzer Münster

In der Regel ist mit dem Skelett also der Tod als handelnde Person gemeint. So soll dem Betrachter und der Betrachterin verdeutlicht werden, dass der Tod auch zu ihnen kommen wird. Auf diese Weise sollen die BetrachterInnen daran erinnert werden ein gutes Leben zu führen. 

An einigen Grabdenkmälern finden wir nur den Totenkopf als Symbol für den Tod. Dieser ist häufig auch Teil der Vanitas-Darstellungen und erinnert die BetrachterInnen daran so zu leben, dass sie für ihr Jenseitsleben nichts zu befürchten haben.