Vermutlich bist du schon das eine oder andere Mal unter einem Tympanon durchgegangen ohne es zu merken. Nämlich dann, wenn du entweder schonmal antike Tempel oder christliche Kirchen aus der romanischen oder gotischen Zeit besichtigt hast. 

Das Wort „Tympanon“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Handtrommel“ und „runde Scheibe“. Beides hilft jetzt erstmal nicht unbedingt, um dem Bauteil auf die Schliche zu kommen. Die Mehrzahl von Tympanon ist übrigens „Tympana“. 

Skizze einer antiken Tempelfront, um zu erklären wo das Tympanon ist

Skizze einer antiken Tempelfront mit Tympanon

Wenn du schon mal einen antiken Tempel besucht hast oder vielleicht Abbildungen davon gesehen hast, dann hast du das Tympanon auch gesehen. Das ist nämlich das Giebelfeld, das quasi von den Säulen getragen wird. Dort ist viel Platz, um mit Figuren Geschichten zu erzählen. Die Griechen platzierten dort vollplastische Figuren, die ihre Sagen oder Geschichten der jeweiligen Götter darstellten. Die Römer reduzierten die vollplastischen Darstellungen und erschufen Reliefs. Ein Relief ist flacher und bietet genauso die Möglichkeit Sagen oder Göttererzählungen zu zeigen. 

Skizze eines Kirchenportal mit Tympanon

Skizze eines Kirchenportals mit Tympanon

Vielleicht gab es auch bereits im 4./5. Jahrhundert Tympana in Byzanz, die mit Reliefs oder Mosaiken geschmückt waren, doch davon ist leider nichts mehr erhalten. Daher besteht eine ziemlich große Zeitlücke von den antiken Tympana zu den christlichen an den Kirchen. Erst mit Beginn des 12. Jahrhunderts wird die Fläche oberhalb eines Portals als Bildfeld verwendet. In Frankreich wurde dieser Bereich die bevorzugte Stelle, um bauplastische Bildwerke mit christlichen Themen zu füllen. Oberhalb des Türsturzes befinden sich in romanischen Kirchen Rundbogenfelder und in gotischen Kirchen spitzbogige Felder, die mit Darstellungen von christlichen Figuren und Geschichten gefüllt wurden. 

Notre-Dame-de-Paris, Tympanon

Von Frankreich schwappt die Idee dann nach Deutschland, wo ebenfalls ab Anfang/Mitte des 13. Jahrhunderts die Sakralbauten mit Tympana verziert werden. Vielleicht hast du schon mal am Freiberger Dom die sogenannte „Goldene Pforte“ gesehen, deren Tympanon um 1230 geschaffen wurde. In der Gotik wollte man dieses Bildfeld nochmals zusätzlich betonen und überhöhen und setzt meist noch einen Wimperg um das Tympanon. 

Bei der nächsten Besichtigung einer Kirche kannst du also ab sofort auf die Geschichten des Tympanons besonders achten, denn jetzt weißt du ja, was ein Tympanon ist. 

Petersdom in Rom, Tempelfront/Kirchenfassade eines Renaissance-Barockbaus

Literatur

Jahn/Haubenreißer: Wörterbuch der Kunst, Stuttgart 1995

Riese/Kadatz: Seemanns Sachlexikon Kunst und Architektur, Leipzig 2008

Brockhaus Kunst – Künstler, Epochen, Sachbegriffe, Mannheim 2001

Koepf/Binding: Bildwörterbuch der Architektur, Stuttgart 1999